Art

Residency application for a month at an artist’s colony. The artist achieved first place on the waiting list with this letter of recommendation.

Einige Bemerkungen zum Werk XXXXXs

In ihrem künstlerischen Werk entwickelt die in Berlin lebende XXXXX die formalen Grundlagen ihrer kompositorisch-reduktionistischen Bildfindung auf der Basis eines vom Licht eminent beeinflussten Vorganges. Die Arbeiten ‚werden‘ in ihrem Form- und Farbspektrum durch das Außen, was die Frage nach dem Umfeld ihrer Entstehung als von quasi kausaler Bedeutung erscheinen lässt. In diesem Sinne gefasst, birgt eine Residency als Ortsveränderung und Wechsel in ein nichtalltägliches Zeitsystem nicht nur temporäre, sondern XXXXs Arbeit konstitutiv beeinflussende Kräfte. YYYYY schlägt sich dann in Resultat und Praxis einer künstlerischen Suche wieder, die weder rein empirisch noch aprioristisch angelegt ist, sondern auf die immanente Verfasstheit eines Ortes eingeht und diesen Teil eines Werkes werden lässt.
XXXXXs Wirken und Eingreifen in den sichtbaren Raum stellt ein Zusammenspiel eher leiser, sich in einer reduzierten Ästhetik formulierender Töne dar. Die Künstlerin hat für sich ein Thema entdeckt, dass in unseren täglichen Lebensbereichen zumeist ausgeblendet bleibt: die Latenz, Sie beschäftigt die Frage, welche sinnlichen Faktoren diese bedingen. Ihr geht es nicht um latente Bilder, sondern um ein latentes (Mit-) Sehen und Wahrnehmen von zwischen Bildträgeroberflächen und dem Außenraum pendelnden Nuancen von Sichtbarkeit. Dabei ist ihr ortspezifisches Verfahren stets auf die Beobachtung spezifischen Lichtes gegründet: an dessen Wirkung auf das Material der Malerei, auf Oberfläche, Materialität des Bildträgers und der aufgetragenen Farbe entspinnt sich ihr Interesse. Hier entstehen keine Abhängigkeiten, sondern Reziprozität, da sie keinem rigiden Formalprinzip folgt.
Auf diese Weise elaboriert XXXXX einen Kontrast zwischen dem Käfig des von ihr häufig gewählten quadratischen Bildformats und dem einbrechenden Lichteinfall, der die Buchstäblichkeit des Bildes als hermetisches Gegenüber relativiert. Entschieden inspiriert sie dabei die Suche nach der haptischen Virulenz des konkreten Bildkörpers, dessen objekthaften Dimensionen sie nachspürt. Die technische Seite dieses Kontrakts mit dem Licht unterstreicht das Moment des Einwirkens auf die allzu logische, reduzierte Komposition, indem XXXXX in sie hinein, von außen nach innen arbeitet. Das Resultat ist keine geschlossene Entität, vielmehr eine prozessuale Inklusion von Vorgefundenem. Ich bin mir sicher, dass sie in YYYYY zu differenzierten Ergebnissen wird gelangen können.

Letter of recommendation for Ms. XXXXX

In her artistic work, Berlin resident XXXXX develops the formal fundamentals of her reductionist compositions based on her eminent, light-influenced predecessors. Her pieces can be seen from without through a spectrum of forms and colors that raise questions about the causal context in which they arise. A residency as not only a change of place but an interruption of the daily rhythm, would have a deep and lasting impact on XXXXX’s work. YYYYY’s artistic quest, applied neither purely empirically nor a priori, but as an immanent condition of the place itself, would enter into the work and express itself there.

XXXXX’s works and interventions in the visible space represent a rather quieter interaction, with the formulation of the tones aesthetically reduced.
The artist has discovered for herself a theme that in our daily lives is normally hidden. She concerns herself with the question of latency, and the sensual elements of this state. It is not just about latent images, but also latent seeing (and seeing with) and perceiving from between image-carrying surfaces and the externally oscillating nuances of visibility. Thus a place-specific process is always based on observations of a specific light, whose impact on the surface, the materiality and applied colors of the paintings continuously re-calls itself into existence. Here there are no dependencies, only reciprocities that follow no rigid formal principles.

In this way XXXXX elaborates a contrast between the cage of her often rectangular picture formats and the light bursting into them, relativizing the literalness of the pictures as a hermetic opposite. At the same time she emphatically inspires the search for the haptic qualities of the picture surface itself, whose objective dimensions she traces. The technical side of this contract with light underscores the moment of impact on the logical, reductionist composition, in which XXXXX works from the outer layers to the inner ones. The result is not a closed entity, much more a processual inclusion of the previously encountered. I am certain that in YYYYY she will achieve sophisticated, nuanced results.